Die 7 Säulen der Resilienz

Alle reden heute über „Resilienz“ und wie wichtig es ist diese geheimnisvolle Kraft zu besitzen. Sie wird als die „Wunderwaffe“ gegen die Krise beschrieben und soll es ermöglichen deprimierende Situationen in Chancen zu verwandeln. Wie wird „Resilienz“ eigentlich definiert und welche wichtigen Eigenschaften und Fähigkeiten gehören dazu?

Definition Resilienz

In der Physik oder Werkstoffkunde wird Resilienz als die Fähigkeit eines Materials beschrieben, welches nach starker Verformung in den Ausgangszustand zurückkehrt. Der Begriff „Resilienz“ leitet sich ab aus dem lateinischen Wort „resilire“, das „zurückspringen“/ „abprallen“ bedeutet. Auf den Menschen übertragen bedeutet “Resilienz“ laut Duden-Definition: „Psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“.

1. Zukunftsplanung

Der Resilienz-Faktor „Zukunftsplanung“ geht Hand in Hand mit der Zielorientierung eines Menschen. Als resiliente Person bist du ein proaktiver Gestalter deiner Zukunft. Du ergreifst Initiative, bist aktiv und bereit auch Hindernisse zu überwinden. Wichtig dabei ist, dir bewusst zu machen, was genau du eigentlich in deinem Leben erreichen möchtest. Dabei geht es um die Festlegung von umsetzbaren Zielen, die du sowohl kurzfristig und mittelfristig, vor allem aber langfristig verfolgen kannst. 

Wer keine Ziele hat tut sich schwerer, Entscheidungen zu treffen oder Prioritäten zu setzen, denn es fehlt ein Orientierungspunkt, um abwägen zu können was sinnvoll, wichtig und konstruktiv wäre. Durch das Setzen von Zielen schaffst du dir eine gewisse Struktur in deinem Leben, da deine Handlungen und Verhaltensweisen sich bewusst und auch unbewusst auf diese Ziele ausrichten. Wichtig dabei ist zwischen Ziel und Wunsch zu unterscheiden.

Wunsch vs. Ziel:
Ein Wunsch drückt ein Verlangen, Streben, eine Hoffnung auf eine Sache oder eine Veränderung aus. Ein Ziel drückt einen angestrebten Zustand in der Zukunft aus, die durch Willens-, Tatkraft und zielgerichtete Handlungen erreicht werden soll.

Eine kleine Übung dazu:

  • Was ist dein Wunsch?
  • Was ist das beste zu erwartende Ergebnis?
  • Was ist deine größte innere Barriere?
  • Was könntest du tun, um diese Barrieren zu überwinden (Wenn….(dein Hindernis), dann… (deine Handlung)?
  • Wie kannst du erfolgreich diesen Wunsch in ein Ziel umsetzen?

Formuliere jetzt dein Ziel nach den SMART-Kriterien:
S=Spezifisch
M=Messbar
A= Attraktiv
R=Realistisch
T=Terminiert

2.Lösungsorientierung

Lösungen zu suchen und diese zu finden – das ist die Kunst der Nr.2 Resilienz-Säule „Lösungsorientierung“. Bei lösungsorientiertem Denken und Handeln wird der Fokus nicht auf die Ursache des Problems gerichtet, sondern auf Abläufe wie die Situation bzw. der Zustand gut gelöst werden kann.

Lösungsorientierte Menschen:

  • richten ihre Aufmerksamkeit auf Chancen & Alternativen und probieren immer wieder neue Möglichkeiten aus, wenn etwas nicht funktioniert.
  • konzentrieren sich auf das was vor ihnen liegt und lassen das zurück was ihre Situation so schwierig gemacht hat.
  • haben ein Ziel vor Augen auf das sie hinarbeiten möchten.
  • gibt bereits der Entschluss das Problem hinter sich zu lassen neue Kraft.
  • sind offen für neue Ideen, können ungewohnte Perspektiven einnehmen und „Gedankenspinnerei“ zulassen.
  • nehmen auch Teillösungen oder vorläufige Lösungen an und setzen diese um.

So ist Lösungsorientierung eine Fähigkeit, die in jeder Situation hilfreich ist und zu proaktivem Handeln führt. Resiliente Menschen entwickeln unterschiedliche Lösungswege und wählen am Ende den für sie besten und effektivsten Weg aus. Auch wenn sie Fehler machen überlegen sie sich verschiedene Alternativen, um die Lösung zu finden, die den größten Nutzen bringt und den Fehler bestmöglich kompensiert.

3.Verantwortung

Verantwortung ist die Fähigkeit, eigenständige Entscheidungen zu treffen und das Leben selbst in die Hand zu nehmen. In Bezug auf Resilienz geht es vor allem um das Übernehmen von Verantwortung in herausfordernden Situationen. Der Knackpunkt dabei ist:
Du musst die eigenen Möglichkeiten zur Einflussnahme wahrnehmen und dich deiner Verantwortung bewusst sein.

Kurz gesagt: Sehe dich als Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems!

Ich weiß, alles leichter gesagt als getan….. Vielleicht beginnst du damit, indem du dir sagst, dass dich deine Zweifel und Schuldgefühle nicht weiterbringen. Du möchtest nach vorne sehen und aktiv an einem besseren Leben arbeiten. Folgende Schritte helfen dir dabei:

  • Akzeptiere deine Emotionen.
  • Lege deine Schuldgefühle ab.
  • Achte dabei darauf was dir gut tut.
  • Finde deine Kraft- & Glücksquellen.

Resiliente Menschen konzentrieren sich auf sich selbst und ihr Handeln. Sie denken darüber nach, was sie selbst tun können und nicht was andere tun sollen. Sie sind ebenso in der Lage Fehler einzugestehen und die Konsequenzen für ihr Handeln zu tragen. Dabei zeigt das Eingestehen eines Fehlers nicht etwa Schwäche, sondern wahre Stärke und Verantwortungsbewusstsein. Daher verspüren resiliente Menschen seltener Scham oder Selbstzweifel wenn ihnen ein Fehler passiert. Sie wissen, dass Fehler nun mal passieren können und niemand unfehlbar ist.

„Scheitern ist nicht so schlimm. Schlimm ist, nichts versucht zu haben.“

Heinz Eggert

4.Optimismus

„Optimismus“ kommt vom lateinischen Wort „Optimum“ was soviel bedeutet wie „das Beste“.
Laut Wikipedia ist Optimismus „eine Lebensauffassung, in der die Welt oder eine Sache von der besten Seite betrachtet wird.“
So ist es und ich denke wir können alle eine ordentliche Portion davon vertragen. Was zeichnet denn überhaupt einen optimistischen Menschen aus?

  • Positive Weltsicht – das Leben ist schön!
  • Sucht stets nach dem Guten – das Glas ist halbvoll!
  • Neue Situation/ Gegebenheiten werden als Chance gesehen – gut, dass es so gekommen ist!
  • Enttäuschung als Erfahrung ansehen – daraus kann man lernen!
  • Sich selbst positiv sehen – ich kann was, ich bin gut!
  • Grundsätzliches Selbstvertrauen haben – ich nehme mir was vor & ich schaffe das!
  • Individuellen Stärken bewusst sein!

Optimisten fürchten sich nicht vor Herausforderungen und rechnen in der Regel mit einem positiven Ausgang. Das hängt vor allem mit ihrem starken Selbstwertgefühl zusammen. Sie sind von ihren Fähigkeiten überzeugt und vertrauen auf ihre Stärken, schwierige Situationen und Herausforderungen meistern zu können. Diese zuversichtliche Perspektive erlaubt es ihnen Probleme und eigene Schwächen anzunehmen, an sich selbst zu arbeiten und daran zu wachsen.

PS: Rückwärts gelesen bedeutet Optimismus SUMSI MIT PO!! Das finde ich SO lustig.

5.Opferrolle verlassen

Im Fünften von den sieben Resilienzfaktoren, die Forscher, Psychologen, Wissenschaftler der positive Psychologe über Jahre/Jahrzehnte herausgefunden haben, dreht es sich um die Fähigkeit die „Opferrolle zu verlassen“. Menschen, die Resilienz, innere Stärke & Widerstandskraft besitzen, schaffen es immer wieder die Rolle des passiven Opfers abzulegen.

Als Opfer wird in der Regel eine Person bezeichnet, die einen Schaden erlitten hat beispielsweise bei einem Unfall, Diebstahl oder Krankheit.
Die Frage ist nun wie geht man damit um? Ja, sich zu ärgern, Stress oder Selbstmitleid zu empfinden, ist absolut ok. Verliert man sich aber darin und bleibt passiv, verfällt man in eine anhaltende Opferrolle. Es geht jedoch darum, eine andere Haltung einzunehmen und in eine aktive Position zu wechseln. Dabei verlassen wir die Rolle des passiven Opfers.

Somit erlangst du wieder eine positive emotionale Einstellung und wirst dadurch auch in schwierigen Situationen handlungsfähig! So geht dieser Faktor Hand-in Hand mit „Verantwortung“ für das eigene Leben & Handeln übernehmen (s. Resilienzfaktor 3).

Die Opferrolle zu verlassen bedeutet Fehler und Schuld nicht bei den anderen zu suchen, sondern sich selbst die Frage zu stellen, welchen Beitrag man geleistet, damit es beispielsweise zu einem Konflikt kam. Ein großer Schritt ist, sich davon zu lösen, Opfer seiner eigenen Gefühle zu sein. Resiliente Menschen schaffen es ihre Gefühle zu akzeptieren und zu steuern, so dass stets eine Lösung im Vordergrund steht. Sie wissen, dass beispielsweise Beschimpfungen oder Wutausbrüche nicht zielführend sind und schaffen es ihre Emotionen in eine positive Richtung zu lenken.

„Wenn Du leidest, ist es wegen Dir,
wenn Du fröhlich bist, ist es wegen Dir, wenn Du Dich glücklich fühlst, ist es wegen Dir. Niemand ist dafür verantwortlich, wie Du Dich fühlst, nur Du, Du allein. Du bist die Hölle und zugleich der Himmel.“

Osho

6.Akzeptanz

Nicht nur für mich, sondern bei vielen Menschen ist die Säule der Akzeptanz, eher schwach ausgeprägt ist. Manche Dinge, Situationen oder auch Menschen zu akzeptieren wie sie sind, weil wir sind nicht ändern können, fällt nicht immer einfach.

Unglück, Enttäuschungen und herausfordernde Situationen gehören jedoch zum Leben dazu. Resiliente Menschen wissen und akzeptieren diese Tatsache. Vor allem akzeptieren sie aber, dass sich diese Umstände nicht vermeiden oder spurlos beseitigen lassen.

Die Fähigkeit, Dinge zu akzeptieren, kann trainiert werden, doch dieser Prozess braucht Zeit und vor allem Geduld.

Resilient sein bedeutet nämlich NICHT einen „Teflon-Taucheranzug“ anzuhaben an dem alles abprallt. Es bedeutet, sich zu erlauben zu leiden, am Boden zu liegen, verzweifelt und traurig zu sein. Resiliente Menschen akzeptieren das Unabänderliche, das sich der unmittelbaren Kontrolle des Individuums entzieht. Sie haben jedoch Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Stärken und wissen, dass sie wieder in der Lage sein werden, sich aufzurichten. Sie erlauben sich Geduld zu haben, um sich nach und nach an die veränderte Situation anzupassen.

Menschen mit einer hohen Ausprägung der Fähigkeit „Akzeptanz“ sagen über sich:

  • ich kann ein Problem aktuell nicht lösen, dann stufe ich die Situation als „unveränderlich“ ein und hake sie ab.
  • Durch Schuldsuche, Auflehnung oder Verleugnung schaffe ich es mich nicht lange aufzuhalten.
  • ich akzeptiere, Veränderung als Lebensprinzip zu sehen.
  • Krisen und Probleme begreife ich als Chance
  • ich erlaube eine hohe Fehlertoleranz – bei eigenen Fehlern und wenn andere sie verursachen- und erkenne darin Lernpotential.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Akzeptanz ist die Selbstakzeptanz: Resiliente Menschen fällt es leichter sich so zu akzeptieren wie sie sind – mit allen Stärken und Schwächen. Voraussetzung ist ein hohes Selbstwertgefühl, das dabei hilft sich Unerwartetem zu stellen, Misserfolge zu akzeptieren und mögliche Schwierigkeiten zu tolerieren.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. 

Reinhold Niebuhr

7.Netzwerkorientierung

Der siebte und letzte Resilienzfaktor ist die Netzwerkorientierung. Wie gut ist es zu wissen, dass du in schweren Zeiten nicht alleine bist. Freunde und Bekannte, die an dich glauben, dich ermutigen und dich unterstützen, können in Zeiten von Stress und Krise wahre Kraftquellen sein.

Hand aufs Herz: Ich mag den Begriff der Netzwerkorientierung nicht. Es hat für mich einen „Business-Touch“ und ich verbinde damit permanenter Aufbau strategischer Kontakte und Netzwerke. Doch das mag nur meine Wahrnehmung sein, denn dahinter steht eigentlich die Fähigkeit und Eigenschaft ein stabiles soziales Umfeld zu haben.

Fakt ist: Wir Menschen sind soziale Wesen!

Das hat uns auch nochmal deutlich die Corona-Pandemie gezeigt! Denn kaum jemand vermisst materielle Dinge, am meisten fehlt uns die Gesellschaft anderer, gute Gespräche, gemeinsames Feiern und Spaß haben und eine liebevolle Umarmung.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen, die ein großes soziales Umfeld haben sich allgemein wohler fühlen und über eine bessere Gesundheit verfügen (physisch und psychisch!). Der Antrieb gemeinsam etwas zu erleben und sich für andere einzusetzen spiegelt sich meiner Meinung nach auch in den hohen Zahlen der Menschen, die ein Ehrenamt ausüben. In Deutschland haben etwa 31 Millionen Menschen eine ehrenamtliche Tätigkeit wie beispielsweise Trainer*in im Sportverein, Feuerwehrleute, Helfer bei der Krankenbetreuung oder beim Rotes Kreuz.

Sei dir daher bewusst wie wichtig es für dich ist, Menschen zu haben, die -in guten wie in schlechten Zeiten- für dich da sind. Freund- und Bekanntschaften basieren auf gegenseitigem Nehmen und Geben. Wenn es nur einseitig (aus-)genutzt wird, zerfällt sie.

Netzwerkorientierung bedeutet konkret:

  • Freundschaften zu pflegen und genießen
  • Echtes Interesse an der anderen Person
  • Biete deine Hilfe an und bitte auch um Hilfe wenn du sie brauchst
  • Wertschätzende Kommunikation
  • Beende destruktive Beziehungen, die dich verunsichern und ausnutzen.

Wichtig dabei sind vor allem die beiden Eigenschaften Empathie und Wertschätzung. Ein resilienter Mensch kann sich gut in die Lage seines Gegenüber hineinversetzen und schafft dadurch eine Vertrauensbasis. Dies führt wiederum zu einer positiven Grundhaltung, bei der man sich selbst und den anderen wertschätzt und Freude empfindet.

„Es heißt Freundschaft weil man mit Freunden alles schafft.“

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Hey, ich bin Birgit!

Als Resilienztrainerin und Lifecoach unterstütze ich dich dabei wie du mehr innere Stärke & Resilienz aufbauen kannst, damit du es immer wieder schaffst, dich aufzurichten, um mit Leichtigkeit durchs Leben zu gehen.

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